Transmission Waves
2020

Installation, Video, Performance
2021
Traversing the unthought / Atravesando lo impensable
Aural Galería Madrid

mit Mirjam Kroker

2020
Sehnsucht
DG Kunstraum München
Performance and Video,
Alicante 2019
video duration: 7 mins
Performance Video, short version, Alicante, Spain, 2019

In this video performance created in 2019, Judith Egger explores the element of water on the beach in Alicante. With three fishing rods attached to her body, to which floats, weights and underwater microphones are attached, she sits in the surf and lets the floats glide into the water. In the video, the movements of the water can be seen seismographically at the tips of the fishing rods, depending on the waves. The video was shot at dawn without the presence of any other people.

Mit ihren experimentellen Arbeiten versucht sich die Münchner Installations- und Performancekünstlerin Judith Egger auf unterschiedliche Art und Weise den Funktionsprinzipien (Gesetzen/ Prinzipien - oder noch besser- Urkräften) der Natur anzunähern, diese zu beobachten und auszuloten.

Dr. Polina Gedova
Transmission Waves, Foto, 2019, Foto von Kike Roma und videostills von Jota Morots
Transmission Waves, Videostill, 2019

Mit ihren experimentellen Arbeiten versucht sich die Münchner Installations- und Performancekünstlerin Judith Egger auf unterschiedliche Art und Weise den Funktionsprinzipien (Gesetzen/ Prinzipien - oder noch besser- Urkräften) der Natur anzunähern, diese zu beobachten und auszuloten. Stets tritt der Mensch dabei in ein Spannungsfeld aus Verbundenheit und Entfremdung von der Natur, aus innerer und äußerer Welt. I ihrer 2019 in Alicante entstandenen Videoarbeit „Transmission Waves“ versucht sich die Künstlerin durch den Aspekt des „Lauschens“ an das Element Wasser anzunähern, mit ihm eine Kommunikation aufzubauen. Sie begreift sich als Teil dieser Natur und begegnet ihr auf Augenhöhe. Ihre „Antennen“ bilden dabei an ihren eigenen Körper angebundene Angelruten, an denen Unterwassermikrofone und Schwimmer befestigt sind. Ins Meerwasser gehalten, nehmen diese die Schwingungen des Wellengangs auf und lassen uns durch die akustische Dimension (aber auch das Vibrieren der Angeln) in Beziehung mit der Natur treten. Eine ganze Weile lauschen wir dem mal tösenden, mal sanften Rauschen, bis wir wieder in die uns vertraute Geräuschwelt zurückgeholt werden.

In dieser Selbsterfahrung sind unsere menschlichen Urinstinkte ebenso zentral wie das Schärfen unserer Sinnesorgane. Diese hier erfahrbar gemachte, nicht kontrollierbare Naturkraft, ständigen Transformationsprozessen unterliegend, gilt Judith Eggers Aufmerksamkeit.

Text von Dr. Polina Gedova
Transmission Waves, Test im Garten, Gräfelfing 2019, Foto von Manuel Eitner

Stets tritt der Mensch dabei in ein Spannungsfeld aus Verbundenheit und Entfremdung von der Natur, aus innerer und äußerer Welt.

Dr. Polina Gedova

Exhibitions

2021
Aural Galería
curated by Begoña Martínez Deltell & Susana Bañuelos
Installation, Video
Madrid
Spanien
23.01 bis 12.04.2021
2020
DG Kunstraum
curated by Benita Meißner
Performance, Video
München
18.06 bis 06.08.2020

Press

2021
ABC CULTURAL

Miguel Cereceda

Titel
ABC CULTURAL
Art
Presse
Autor:innen

Miguel Cereceda

Erschienen
21-02-2021
Verlag
2020
Wildnis, Wald und wir

Erika Wäcker-Babnik

Münchner Feuilleton
Titel
Wildnis, Wald und wir
Art
Presse
Autor:innen

Erika Wäcker-Babnik

Erschienen
08-02-2020
Verlag
Münchner Feuilleton

Judith Egger: Wildnis, Wald und wir

Die Münchnerin Judith Egger untersucht, ob und wie sich in der Zivilisation Verbindungen des Menschen zum Unkontrollierbaren und Unbestimmbaren aufnehmen lassen.

Die Übereinstimmung von Ort und Ausstellung könnte nicht passender sein: Ein Kunstprojekt, das das Spannungsfeld von »Wildnis und Zivilisation« befragt, wird an der Stelle in München gezeigt, die wie keine andere im Spannungsfeld von »Unort« und »Edelmeile« liegt. Die Unterführung Maximilianstraße–Altstadtring mit dem MaximiliansForum ist ein wahrlich wilder Ort im Großstadtdschungel – ausgerechnet unter der Straße, wo sich die Zivilisation von ihrer dekadentesten Seite zeigt. Noch immer wuchert dort halbtotes Grün auf den ehemals bepflanzten Rolltreppen. In Judith Eggers Installation »Lauschen & Lauern« setzt sich das Unbehagen der unwirtlichen Untergrundpassage in einem befremdlichen Setting fort. Durch die spiegelnden Scheiben der zweigeteilten städtischen Schauräume blickt man in eine kulissenartige Inszenierung: Blattwerk, Rinde und Holzstämme deuten in der düsteren Betonbox einen Wald an. Ein Hochstand aus Brettern suggeriert das Lauern auf eine Reihe skurriler Geschehnisse, die auf improvisierten Videodisplays zu sehen sind: Da stolpert ein strohartiges Wesen durch den winterlichen Wald und tappst schließlich durch die Straßen Münchens, wo es sich im rauchenden Verkehr zurechtzufinden sucht. Ein Wilder in der Zivilisation?


In einem anderen Video, »Transmission Wood«, wandert eine Gestalt – bei allen filmischen Figuren ist es immer die Künstlerin selbst – durch das nächtliche Paris. Ihre Mission ist es, mit den letzten Zeugen der »Wildnis« in der Stadt, den Bäumen, Kontakt aufzunehmen. Dazu hat sie sich ein antennenartiges Gebilde aus Ästen umgeschnallt, mit dem sie die wenigen pflanzlichen Relikte am Straßenrand aufspürt und kontaktiert. In »Transmission Waves« wiederum sitzt die Künstlerin in den Wellen und spürt mit langen Angeln, die tentakelartig aus ihrem Kopf wachsen und an denen Mikrofone hängen, den Tönen des Meeres nach.
Der Lauschangriff auf die Stimmen der »Wildnis« – das Knistern der Bäume und das Rauschen der Wellen – werden in die Passage übertragen und mischen sich mit den Tönen der Zivilisation: dem dumpfen Verkehrslärm, der von der Kreuzung in die Unterführung dringt. Für die Botschaft, die sie mit den ziemlich schräg anmutenden performativen Aktionen transportieren möchte, greift Judith Egger (*1973) wissenschaftliche und philosophische Überlegungen zum Verhältnis von Natur und Kultur, von »Wildnis und Zivilisation« auf. Schon lange beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Ergründen unerforschter naturhafter Phänomene. Aus einer Familie von Wissenschaftlern stammend liegt ihr das Prozesshafte und Experimentelle wie auch das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kunst.
So befasste sie sich für ihr aktuelles Projekt mit den Theorien des Philosophen Andreas Weber, bei dem sie »die ideelle Trennung von Mensch und Umwelt, Kultur und Natur als Keim einer tiefgreifenden Entfremdung« formuliert findet. Webers Essay »Indigenialität« wurde im Rahmen der Ausstellung präsentiert und diskutiert. »Indigenialiät heißt, sich als aktiven Teil eines sinnvollen Ganzen zu verstehen und so zu handeln, dass die eigene Lebensqualität die des Ganzen steigert«, so Weber. Haben wir uns nicht schon längst von der Natur entfremdet? Wie viel Wildes ist in uns noch vorhanden? Ist uns bewusst, welche Anteile des Instinkthaften, Unergründlichen durch die Zivilisierung in uns verloren gegangen ist? Wie finden wir zu einer lebendigen, gesamtheitlichen Wahrnehmung des Existentiellen zurück? Mit ihrem Projekt »Lauschen & Lauern« schickt Judith Egger sich und die Ausstellungsbesucher auf die Pirsch. ||

 

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Texts

2020
Gedanken eines Astrophysikers zu Transmission Waves

Rainer Gruber

Titel
Gedanken eines Astrophysikers zu Transmission Waves
Art
Text
Autor:innen

Rainer Gruber

Erschienen
28-04-2020

Liebe Judith,

beeindruckend,
die Montage deiner beharrlichen, stummen  
und doch fordernden Anwesenheit
in diese fremde Natur hinein, so fremd,
daß ein Gleichgewicht entsteht,
hier bist du, hier bin ich,
ein neugieriges Belecken,
nicht die Natur ist das Geheimnisvolle, sondern
du mit deinen Spinnenantennen,
die Fischerin, die sich der Netze entledigt hat, und -
kleine Schwester der Gravitationswellenhorcherin  LISA -
das alicanteske Universum, nein,
nicht erforscht, zu sich selbst auflaufen läßt.

Selten habe ich ein Meer so offen, so entgegenkommend erlebt,
und das, weil du in deinem nichtswollenden Dasein
so präsent und unverrückbar du bist,
in der Ruhe deiner künstlerischen Schwellkraft angekommen,
als Parasit zum Gegenpol des Parasitären aufgelaufen.

Meine Forschungen zeigen, daß die Natur,
die die Naturwissenschaften hypostasieren,
nurmehr ein Fetisch ist,
die Physik nurmehr ein Nachzeichnen der Physiognomie eines Raumkonzepts,
das es den Physikern ermöglicht,
die Bedingung der Möglichkeit des Messens mathematisch zu kodieren.

Mathematische Strukturen des konzipierten Raumes bieten sich an,
sie als physikalische Objekte zu identifizieren;
die  Invariante dieses Raumkonzepts -
das, was sich stets gleich bleibt in aller Bewegung -
im selben Atemzug identifiziert als die Wechselwirkung,
der die Objekte unterliegen und die sie uns
als physikalische Objekte erkennbar werden läßt.

4 Raumkonzepte unterschiedlicher Art konstituieren
Episteme der Physik, erzeugen die je unterschiedlichen Objekte
samt ihrer je unterschiedlichen Wechselwirkungen.
Jahrhundertelange schweißtreibende Forscherarbeit
hat diese Raumkonzepte konstituiert als Grundlage
der Herausbildung der Allgemeinen Relativitätstheorie,
der Elementarteilchentheorie, der Quantentheorie und
der klassischen Physik, mit deren kontravarianten Messgrössen
die kovarianten Variablen des jeweiligen Raumkonzepts
identifiziert werden als Voraussetzung und Krone des Erfolgs.

Es ist diese 1:1 Identifikation, die der Physik ihre
beeindruckende Potenz der Vorhersage verleiht.
Es ist die mathematische Konsistenz des Raumkonzepts,
die der resultierenden Theorie Überzeugungskraft verleiht,
und es  sind die gelungenen Suchbewegungen der Experimentalphysiker,
die die Bedingung der Möglichkeit des Messens - das Raumkonzept -
ausmessen und so das Weltbild und die blendenden Erfolge der Physik
konstituieren.

Ich liebe deine Arbeit sehr,
deinen inzwischen so selbstsicheren Sprung ins Ungewisse,
das Phantastische deiner so erdgebundenen Phantasie.
Deine Angeln erscheinen mir als Zwilling der Suchbewegungen
der Experimentalphysiker im Anrauschen der Erscheinungen,
deine den Wassern entgegengesetzte selbstkonsistente Erscheinung als der
zum Objekt einer Wahrnehmung geronnene blendende Fetisch,
den die Schwellkörperforschung konstituiert,
nicht unähnlich der ihrer Tätigkeit unbewußten physikalischen Theorie.

Und so umarme ich dich, in großer Zuneigung
und gespannt auf deine weiteren Eskapaden in Niemandsland!

Rainer